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StartRatgeber & MagazinKolumnen130 Jahre Krankenhaus Lehrte

130 Jahre Krankenhaus Lehrte

Krankenhaus Lehrte

Ein Spaziergang durch die Zeit

Lesedauer: 1 Minute

Das Krankenhaus Lehrte und sein Gründer – Wer war Hermann Manske?

Mich erreicht die Nachricht eines Patienten aus dem Krankenhaus. Er befindet sich auf dem Weg der Besserung und trainiert seinen Körper bei Spaziergängen über die Krankenhausflure.
In einem Flur im Erdgeschoss entdeckt er somit eine kleine Fotoausstellung »1895 – 1995 100 Jahre Krankenhaus Lehrte«.

Vom Landwirt zum Industriepionier

Krankenhaus Lehrte

Da ist er, Hermann Manske *26.12.1839 – †18.11.1919. Doch wer war Hermann Manske?
Er war der Sohn eines westpreußischen Landwirts und besuchte die Volksschule, arbeitete zudem in der Landwirtschaft und ging zur Handelsmarine. Er unternahm somit einige Auslandsreisen, die ihn auch bis Südamerika führten. Mit 37 Jahren wird er schließlich Betriebsleiter einer Zementfabrik in Stettin. Zwei Jahre später kommt er nach Hannover. 1881 gründete Manske dort die Portland-Zement-Fabrik Germania H. Manske & Co KG. Seine Zementfabrik nimmt 1882 den Betrieb in Lehrte auf und wird darüber hinaus zu einem der größten Industriebetriebe der Stadt. Mehrere hundert Menschen arbeiten hier. Die Zementmarke aus Lehrte heißt »Germania«. Zwei weitere Zementfabriken baut er in Misburg. Die drei Werke bildeten schließlich seinerzeit zusammen das größte europäische Zementunternehmen.

Tragödie und Triumph: Der Großbrand von 1892

Am 04. April 1892 bricht in seiner Fabrik in Lehrte ein Großbrand aus. 150 Feuerwehrleute kämpfen gegen die Flammen. Die Hitze war zudem so groß, dass die benachbarte Bahnstrecke auch für Güterzüge nicht zu benutzen war. Das Werk brennt schließlich vollständig ab. Manske ist Visionär. Die Versicherung ersetzt allerdings den Schaden. Er baut das Werk viel größer und moderner wieder auf und wird somit sehr wohlhabend. Er hat allerdings einen aufwendigen Lebensstil und gründet einen eigenen erfolgreichen Pferde-Rennstall. 1892 baut er zudem die »Villa Nordstern«, benannt nach seinem Lieblingspferd. Der preußische Staat ernennt ihn zum Kommerzienrat. Nachdem die Konkurrenz in späteren Jahren immer stärker wurde und er wirtschaftliche Fehlentscheidungen getroffen hatte, ist der Bankrott nicht aufzuhalten. Verarmt stirbt schließlich er in Dassel.

Ein bleibendes Erbe – Die Stiftung des Krankenhauses Lehrte

Außerdem zu sehen in der Bildergalerie sind die Stiftungsurkunde der Lehrter Krankenhaus-Stiftung von 1895 und alte Baupläne des Lehrter Krankenhauses.

Insbesondere in sozialpolitischer Hinsicht erwies sich Manske auf der Höhe der Zeit, indem er schon 1881 eine Betriebskrankenkasse gründete. Obendrein ließ er Werkskantinen und Arbeiterwohnungen errichten. Am 01. November 1895 stiftete er schließlich der Stadt Lehrte das Krankenhaus für den Einsatz der örtlichen Feuerwehr. Als Begründung für den preußischen König, der die Stiftung annehmen musste (und für die Prüfung 7 Monate brauchte) schreibt er „Um denjenigen Arbeiterfamilien in Krankheitsfällen eine Zufluchtsstätte zu schaffen, welche vermöge ihrer häuslichen Verhältnisse und Einrichtung nicht in der Lage sind, ihren Angehörigen das nötige Unterkommen und die erforderliche Pflege angedeihen zu lassen.“

Das Krankenhaus Lehrte im Wandel der Zeit

Das Krankenhaus verändert sich auch im Laufe der Jahre. So wurde 1980 ein großer Neu-, Um- und Erweiterungsbau beim Sozialministerium beantragt. Bis zur Grundsteinlegung vergingen allerdings auch damals schon 6 Jahre, bis zur Fertigstellung 9 Jahre. Zwei Jahre passierte gar nichts, weil die Finanzierung auch damals schon Probleme bereitete. Beim Sichten und Bearbeiten der Bilder aus der Galerie muss ich schmunzeln. Die Fotos aus der physikalischen Therapie mit den großen Plastikbällen spiegelt die Lebenswelt der bunten 80er wider.
Das ursprüngliche alte Manske-Gebäude wurde schließlich im Herbst 1993 abgerissen.

Doch immer hält die Geschichte auch weitere interessante Episoden bereit. In der Galerie erfahren wir somit auch „Diese Neuorganisation im Zusammenhang mit dem altersbedingten Ausscheiden des gynäkologischen Chefarztes führte zur Schließung der geburtshilflichen Abteilung.“. Im März 1989 erblickt hier ein Junge das Licht der Welt. Es ist somit das letzte Kind, das im Lehrter Krankenhaus auf die Welt kommt. Heute durfte ich ihn kennenlernen. Aber das ist schon wieder eine neue Geschichte …

Vielen Dank an »KAKTUS-007« für die Anregung und die Bilder.


Quellen:
Foto(s): © Kaktus-007
Anmerkung der Redaktion: Für bessere Lesbarkeit verzichten wir in unseren Beiträgen weitestgehend auf geschlechtergerechte Sprache. Mehr dazu

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